| Kurzbiografie von Hans Grade |
Der gebürtige Kösliner interessierte sich schon früh für Lilienthals Arbeiten, aber die Zeit für den Motorflug war noch nicht reif. So begann der 25jährige 1904 in Magdeburg mit dem Bau eigener Motorräder, die auch erfolgreich an Rennen teilnahmen.
Bereits während seiner Militärzeit in Magdeburg begann er, Flugapparate zu konstruieren. Und am 28. Oktober 1908 (also knapp fünf Jahre nach dem Erfolg der Wright-Brüder in USA) machte der Dreidecker seinen ersten Hüpfer, der aus einer Höhe von acht Metern im Bruch landete. Dieser Bautyp wurde nach weiteren Versuchen durch einen Eindecker ersetzt, ein Gefährt, das man heute "Ulf" riefe (das steht für Ultraleichtflugzeug): der Pilot hockt in einem Freiluftsitz unter dem Tragflächengespann. Grades Philosophie hatte etwas Puristisches, lieber weniger, aber dafür gut, war seine Devise.
Grades Brandenburger Zeit begann mit dem Besuch des Ingenieurs und Grundstücksmaklers Rothgiesser. Dieser wollte bei Bork einen Flugplatz einrichten. Für einen Flugplatz braucht man Flugzeuge, logisch, und dafür brauchte Rothgiesser Grade. Im August 1909 wurde der Betrieb in Bork eröffnet, über 80 Flugzeuge entstanden bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges hier.
Das Jahr 1909 hatte für den Motorflug besondere Bedeutung. Im August hatte Louis Blériot den Ärmelkanal überquert, Orville Wright veranstaltete Schau- und Übungsflüge in Berlin und im Umland, wo er mit über 300 Metern Höhe einen Weltrekord fliegt. In Johannisthal findet die erste Internationale Flugwoche statt, und Grade gewinnt den mit 40 000 Mark dotierten "Lanz-Preis der Lüfte". Dieser war von Industriellen für den ersten Deutschen Motorflieger ausgelobt worden, in zwei Minuten und 43 Sekunden war Grade um diesen Betrag reicher. Er steckte es in seine Flugzeugfabrik, die dadurch erst eine richtige wurde.
Grade richtete eine Pilotenschule ein, arbeitete am Stummfilm "Flug zur Sonne" mit und begründete den ersten deutschen Post-Motorflug: am 18. Februar 1912 flogen die ersten Briefe zwischen Brück und Bork, bald darauf auch nach Beelitz und Fichtenwalde. Aber da es keine Genehmigung der Reichspost dafür gab, war's schnell vorbei damit.
Nach dem Ersten Weltkrieg war's mit der Fliegerei und dem Flugzeugbau in Deutschland erst mal aus, alles, was zur Rüstung gebraucht werden konnte, war von den Alliierten verboten worden. Dies hinderte die Reichswehr zwar nicht, undercover mit dem russischen Militär zu üben, aber eine Flugzeugfabrik in der Nähe von Berlin - das wäre wohl doch zu auffällig gewesen. Wie viele andere Flugzeugkonstrukteure mußte auch Grade aufs Land umsatteln, also Autos bauen.
So entstanden unter anderem ein 800-Kubik-Zweitakt-Einzylinder, der 85 km/h erreicht haben soll, bald folgte ein ebenfalls luftgekühlter Zweizylinder, der auf 105 km/h gebracht werden konnte. Eines dieser Fahrzeuge aus dem Jahr 1923 war jüngst auf dem AvD-Jubiläumsfest auf der Straße des 17. Juni zu sehen. Wie bei Edmund Rumplers Tropfenwagen waren auch die Konstruktionen von Grade dem Flugzeugbau entlehnt - windschnittig mußte es sein. Übrigens ist der Windwiderstandsbeiwert der Rumpler-Karosserie jahrzehntelang ein Optimum im Autobau geblieben.
Das Werk in Bork expandierte schnell, um die 700 Arbeiter wurden dort beschäftigt. Außerdem entstand in Berlin noch eine Motorenproduktion - ob tatsächlich in der (nach ihm benannten) Tempelhofer Gradestraße, das war nicht zu klären, es ist aber zu vermuten. Die Inflationszeit jedoch machte Grade schwer zu schaffen, er mußte den Autobau einschränken, dann aufgeben. Der Motorenbau lief bis 1925 weiter, zu sehen sind im Museum zum Beispiel Bootsmotore.
In Borkheide wurde im Jahre 1937 der Film "Ziel in den Wolken" gedreht, bei dem Grade sich selbst spielte und nochmals mit seiner ersten Maschine die Lanz-Preis Bedingungen flog.
So stand es auszugsweise im
und bei den "Rausfahrern". Dem Autor sei herzlich gedankt.
Zum Weiterlesen:Flugpionier Hans Grade
Erinnerungen von Manfred Günther
erhältlich im Flugmuseum in Borkheide
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